Stress abbauen

Das vegetative Nervensystem – Ursache für Stress und innere Anspannung

Das vegetative Nervensystem im Gehirn ist für autonome Funktionen zuständig und reagiert auf Reize entweder mit Stress oder Entspannung – von Mike Orastella

vegetative Nervensystem Stress

Was ist das vegetative Nervensystem

Als Nervensystem wird das Nervengewebe in seiner Gesamtheit definiert und ist in die beiden Bereiche gegliedert: das periphere Nervensystem (PNS) und das Zentrale Nervensystem (ZNS).

Das Zentrale Nervensystem empfängt und sendet Reize und Information nach außen, aber auch nach innen. Das periphere Nervensystem verbindet das Gehirn mit der Peripherie des Körpers und fungiert als Ausführung des ZNS.

innerhalb des peripheren Nervensystems kommen zwei unterschiedliche Arten von Nerven vor: Hirnnerven und Spinalnerven. Es gibt insgesamt 12 Paar Hirnnerven und 31-33 Paar Spinalnerven. Des Weiteren kann das PNS in weitere zwei Teile gegliedert werden: das vegetative Nervensystem und das somatische Nervensystem.

Das vegetative Nervensystem beinhaltet zwei weitere Bereiche: Sympathikus und Parasympathikus. Dies sind autonome Nerven, das heißt die Reizung erfolgt aus sich selbst heraus und kann nicht willentlich beeinflusst werden.

Sympathikus

Der Sympathikus bewirkt eine Leistungssteigerung. Dabei reagiert er auf alle Arten von Stress, bei denen Adrenalin ausgeschüttet wird und es zur “Kampf-oder-Flucht”-Reaktion kommt. Dabei werden alle jene Körperfunktionen, die für diesen Moment nicht unmittelbar notwendig sind, heruntergefahren. Dazu gehören zum Beispiel die Verdauung und das Immunsystem.

Immer dann, wenn eine gefährliche Situation aufkommt, wird dies dem Sympathikus gemeldet. Dadurch können sich die Pupillen weiten, der Pulsschlag und der Herzschlag werden schneller. Die Atmung wird flacher und schneller und die Muskeln spannen sich an. Dadurch sind wir leistungsfähiger, konzentrierter und wachsam.

Diese Reize können durch sogenannte Stressoren erfolgen. Diese äußeren Einflüsse beinhalten unter anderem Themen, wie Leistungsdruck, Erwartungen, Zeitdruck oder visuelle Reizüberflutung.

Dies reguliert jedoch auch andere Körperfunktionen, die in diesem Moment nicht gebraucht werden. Dies betrifft vor allem die Erholung, den Schlaf sowie die Verdauung, welche im Parasympathikus gesteuert werden.

Parasympathikus

Der Parasympathikus fungiert als Gegenspieler zum Sympathikus und stellt den beruhigenden Teil des Nervensystems dar. Er fördert die Erholung und den Abbau von Reserven, damit wir für die nächste Stressphase besser gewappnet sind.

Zellregenerierung, Schlaf, Entspannung, Stressabbau und die Verdauung werden hier angesteuert. Vor allem die Verdauung hat einen wichtigen Einfluss auf unser Wohlbefinden, da es reinigt und entgiftet.

Beide Gegenspieler sollten in einem gesunden Gleichgewicht funktionieren. Kurzfristiger Stress kann somit sehr gut aufgenommen und regeneriert werden. Wenn jedoch die dauerhafte Überflutung mit Reizen anhält, kann dies das Gleichgewicht zerstören und einen tiefen Eingriff in die Gesundheit mit sich bringen.

Ursachen von Stress

Zugegeben, früher war dieses Flucht-oder-Kampf-Verhalten deutlich wichtiger. Drohte lebensbedrohliche Gefahr, war dies die einzige Möglichkeit, lebend aus dieser Situation zu kommen.

Mittlerweile ist unser Überleben deutlich weniger in Gefahr. Daher sind die Reize, die dieses Aktionspotenzial verursachen, auch gänzlich anders. Zeit- und Termindruck begleiten uns sowohl im Beruf, als auch im Alltag. Von uns wird in vielerlei Hinsicht einiges erwartet. Und natürlich ist es unser Anspruch, dieser Erwartung gerecht zu werden.

Ein weiteres Beispiel ist die ständige Überflutung der Informationsmedien. Wir sind jederzeit für andere erreichbar. Social Media, Nachrichtendienste und Suchmaschinen begleiten unseren Alltag. Wir wollen up-to-date bleiben und haben auch das Bedürfnis, unser Leben mit anderen zu teilen. Doch dieses ständige Kontaktieren, die Nutzung des Handys und die Erreichbarkeit aktivieren ebenfalls den Sympathikus.

Selbst das alltägliche Leben kann Stressreize setzen. Wir wollen vor der Arbeit noch schnell zum Bäcker. Die Schlange an der Kasse ist groß, unsere Zeitspanne ist knapp. Beim Autofahren werden wir von einem anderen unserer Vorfahrt beraubt. Und abends im Supermarkt sind genau die Produkte ausverkauft, die wir brauchen.

Diese Situationen dienen als moderne Stressoren. Unser Gehirn meldet Alarm, woraufhin das vegetative Nervensystem autonome Prozesse ausführt, damit wir in diesen Situationen rechtzeitig reagieren können.

Folgen innerer Anspannung

Diese innere Anspannung hat zunächst, kurzfristig gesehen, keinerlei negative Auswirkung. Das Stimulieren der Nerven im Sympathikus infolge der Stresshormone kann unsere Leistung positiv beeinflussen. Die Konzentrationsfähigkeit nimmt zu. Die Sauerstoffzufuhr der Organe wird beschleunigt, da auch der Puls- und Herzschlag schneller werden. Es kann auch eine messbare Änderung im Hirnstrombild und einer Veränderung der Körpertemperatur kommen.

Wird der Parasympathikus jedoch dauerhaft unterdrückt, kann nicht genug Regeneration und Abbau der Stresshormone erfolgen. Infolgedessen entsteht eine Disharmonie, die sich auf den Schlaf, die Erholung und die Verdauung auswirken. Die Verdauung ist eine Funktion, die vom Sympathikus gezielt unterdrückt wird. Doch diese ist für Erholung essentiell wichtig, da sie entgiftet und reinigt. Zu den langfristigen Folgen dieser mentalen Überbelastung zählen emotionale Instabilität, ein schwaches Immunsystem, Herz- und Kreislaufprobleme sowie Depressionen und Burnout.

Es ist wichtig, ein Bewusstsein für diesen Zusammenhang zu entwickeln. So kann unsere Lebensqualität nachhaltig gefördert werden, sodass wir den Herausforderungen im Leben besser gewachsen sind.

Hier können Entspannungstechniken oder auch Meditation genutzt werden, um den Parasympathikus mehr zu aktivieren. Das Autogene Training, Progressive Muskelentspannung oder auch ein Training des Vagus-Nervs können hier Abhilfe schaffen. Generell ist es auch wichtig, auf ausreichend Bewegung und gesunde Ernährung zu achten. Ein gesunder Schlaf und ein interessantes Hobby können ebenfalls unterstützen. Wahrscheinlich reicht es schon aus, Kenntnisse über das vegetative Nervensystem zu haben.

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Mike
Author: Mike

Mich begeistert alles, was zu mehr Lebensenergie und Leichtigkeit führt. Alte Weisheiten und Mittel zur Selbsthilfe sind mir genauso wichtig, wie Energiearbeit und Stressabbau.

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