Prokrastination überwinden

Prokrastination überwinden – Warum wir unsere Aufgaben aufschieben

Dinge aufzuschieben ist völlig normal. Doch oft führt das auch dazu, dass man sich selbst sabotiert. Um Prokrastination überwinden zu können müssen wir erstmal erkennen, welche Aufgaben wichtig und dringlich sind und wann wir aus Gewohnheit lieber aufschieben – von Mike Orastella

Prokrastination überwinden

Zusammenfassung der Podcast Folge

Dinge aufschieben, vor allem wenn diese nur wenig Spaß versprechen, ist völlig normal. Wer möchte denn auch schon seine Zeit mit Aufgaben verbringen, die mühselig sind? Manchmal rutschen wir dann jedoch häufig in eine gefährliche Spirale hinein und haben das Gefühl, dass wir uns selbst sabotieren.

Wir nehmen uns Dinge und Aufgaben vor, strukturieren diese und machen sogar eine Planung. Einige Aufgaben sind wichtiger und dringlicher als andere, also haben wir diesen auch mehr Priorität zugeteilt. Doch immer dann, wenn wir uns der Erledigung dieser Aufgabe widmen wollen, schieben wir die Aufgabe auf, lenken uns ab oder machen stattdessen andere, unwichtige Dinge und Aufgaben.

Oft sind wir uns auch voll darüber bewusst, dass wir grade prokrastinieren, also aufschieben, und können es trotzdem nur schwer verhindern. Dann plagen uns meistens Gewissensbisse, schlechte Laune und wir ärgern uns über uns selbst. Am nächsten Tag wiederholt sich das Spielchen dann erneut: wir nehmen uns vor, diese Aufgaben zu erledigen, doch erneut lenken wir uns ab oder machen stattdessen andere, unwichtige Dinge.

Dabei ist klar, dass Prokrastination ein gefährliches Selbstsabotageprogramm darstellt. Indem wir diese Dinge aufschieben, erschweren wir uns selbst den Tagesablauf, das Erreichen von Zielen oder sammeln eine große Liste mit offenen Dingen an, die nicht erledigt wurden, bis wir irgendwann die Übersicht und Kontrolle darüber verlieren.

Aufschieben durch Desinteresse

Auch ich blicke auf eine glorreiche Zeit des Aufschiebens zurück. Wahrscheinlich kennen wir alle die vielfältigen Zitate aus Ratgebern, dass man immer positiv denken sollte. Vor allem, wenn man Ziele erreichen oder Veränderung schaffen möchte. Um positiv zu bleiben mied ich Situationen, die negative Ergebnisse versprachen.

So redete ich mir auch oft ein, dass ich ebenfalls positiv denken würde. Doch es besteht ein Unterschied zwischen wahrhaftigen positiven Gedanken oder nur zu versuchen, positiv zu denken. Und dies zeigt sich dann vor allem im Umgang mit dem Gegenteil, also negativen Gedanken und Situationen. Ich verdrängte diese Gedanken oft, da ich keine Lust hatte, mich damit zu befassen und ja viel lieber positiv denken wollte.

So kam es dann, dass ich negative Themen und Aufgaben aufschob. Ich wollte mich gar nicht damit befassen. Leider lösen sich diese Aufgaben dann aber nicht in Luft auf, sondern sammeln sich an. Irgendwann steht man vor einem Berg an Herausforderungen und Hürden, die man über Monate und Jahre angesammelt hat. Und spätestens dann erkennt man, dass man doch gar nicht so positiv dachte, wie man es anfangs vermutet hatte.

Hier ist es dann wichtig, die Probleme und Schwierigkeiten nicht zu verdrängen, sondern als positiv zu bewerten. Denn auch diese Aufgaben sind wichtig und wollen auf etwas ganz Bestimmtes aufmerksam machen. Fehlt dieser gedankliche Perspektivwechsel, neigen wir dazu, negative Aufgaben und Herausforderungen lieber aufzuschieben. Darunter leidet dann nicht nur die Produktivität, sondern auch das Selbstwertgefühl und das Selbstbewusstsein.

Prokrastination überwinden

Unangenehme Dinge aufschieben

Am häufigsten schieben wir Dinge auf, weil diese keinen Spaß bringen oder unangenehm sind. Statt unangenehme, aber wichtige Aufgaben zu erledigen, vollenden wir lieber unwichtige, aber angenehme Dinge. Statt endlich die Steuererklärung zu beenden, räumen wir lieber den Schreibtisch auf. Anstatt beim Arzt anzurufen, konsumieren wir lieber das nächste YouTube-Video. Anstatt den Abwasch hinter uns zu bringen, schauen wir lieber noch eine Folge der Serie.

Oft sind angenehmere Aufgaben nämlich auch Dinge, die wir gewöhnt sind oder die nicht viele Ressourcen von uns verlangen. Wohingegen unangenehme Aufgaben meistens außerhalb unserer Komfortzone liegen, neue Herausforderungen sind oder deren Ausgang unsicher und ungewiss ist. Folglich ist das Prokrastinieren in diesem Bereich eine Verdrängungsstrategie, um uns vor Unsicherheit oder negativen Konsequenzen zu schützen. Schließlich ist es immer mit einem gewissen Risiko verbunden und man muss sich überwinden, Neues zu probieren.

Dieses Verhalten kennen wir wahrscheinlich zu genüge. Oft lenken wir uns durch unser Smartphone ab oder machen belanglose Dinge, anstatt unangenehme Aufgaben zu ende zu bringen. Wir können diesen kurzfristigen Verlockungen oder Belohnungen nicht standhalten und lassen dafür wichtige Dinge stehen und liegen. Doch dass wir dieses Verhalten sogar mit dem Hormon Dopamin belohnen, beachten wir hier meist nicht. Unser Gehirn wird irgendwann immer mehr davon verlangen, sodass wir in eine gefährliche Spirale der Ablenkung und Inkonsequenz verfallen. Abends plagt uns dann noch das schlechte Gewissen und die Schuldgefühle, was wir hier erneut mit kurzfristigen Belohnungen und Ablenkung überdecken müssen.

Dann betrachten wir den vergangenen Tag rückblickend und müssen feststellen, dass wir die ganze Zeit irgendwie verschwendet haben. Wir haben bei weitem nicht alle Dinge geschafft, die wir uns vorgenommen haben oder die wirklich wichtig waren und stattdessen unwichtige Dinge erledigt. So bleibt das Gefühl, nicht konsequent und produktiv gewesen zu sein, obwohl trotzdem etwas erledigt wurde. Hier bleibt also einzig die Erkenntnis übrig, dass wir wieder einmal unangenehme Aufgaben aufgeschoben haben.

Prokrastination überwinden

20-75% der Bevölkerung ist von Prokrastination geplagt. Dabei hat es nichts mit Faulheit zu tun, sondern ist ein völlig natürliches Verhalten, das viel mit Gewohnheit und dem Einsparen von Energie und Ressourcen zu tun hat. Denn wenn wir das Aufschieben wiederholt durch wiederkehrende Gedanken bewusst oder unbewusst antrainieren, können wir den Zug nur schwer wieder stoppen.

Neben konsequenter Planung der Aufgaben ist es vor allem wichtig, die Prioritäten zu ermitteln und ein Gespür dafür zu entwickeln, welche Aufgaben wichtig sind und welche nicht. So können wir jeden Morgen die ersten zehn Minuten des Tages damit verbringen, die offenen Tagesaufgaben in diese Kategorieren einzusortieren.

Zunächst machen wir vier Spalten und legen fest, welche Aufgaben wichtig und dringend sind. Diese Aufgaben erhalten die Priorität A, sind also besonders wichtig und sollten zuerst mit höchster Aufmerksamkeit erledigt werden. Nur, wenn wir alle Aufgaben dieser Kategorie erledigt haben, gehen wir zur nächsten über.

Hier ist es natürlich wichtig, diese Dinge ohne Ablenkung und am besten ohne Pause zu erledigen. Schalte dazu dein Smartphone aus, lasse keine eingehenden Anrufe durch oder empfange in den ersten Minuten des Tages keine Kunden. Denn jede Form von Ablenkung kann dich hier wieder zurück in deine alten Verhaltensmuster katapultieren.

In der nächsten Kategorie befinden sich dringende Aufgaben, die aber nicht ganz wichtig sind oder nicht wirklich anspruchsvoll sind. Diesen Aufgaben teilen wir die Priorität B zu. Darauf folgen die Aufgaben, die zwar wichtig, aber nicht dringend sind. Doch diesen widmen wir uns erst als drittes, da dies die Priorität C bedeutet.

Zu guter letzt haben wir dann noch die Priorität D. Dies sind unwichtige und nicht dringende Aufgaben, die wir meistens als Platzhalter nutzen oder für diejenigen Aufgaben einsetzen, die wir sonst gerne aufschieben. Diese Aufgaben sind nicht wichtig und können daher ignoriert werden. Mit dieser Einteilung erhältst Du also jeden Tag und jeden Morgen einen groben Überblick über deine Aufgaben und kannst wichtige von unwichtigen unterscheiden. Vielleicht wirst Du dich dadurch auch mitten beim Aufschieben ertappen und feststellen, dass Du gerade unwichtige Dinge als Ablenkung ausführst. Und genau diese Erkennntis ist der erste Schritt, mit der Du deine Prokrastination überwinden kannst.

Mehr zum Thema


Du hast die Podcast Folge noch nicht gehört?

Mike
Author: Mike

Mich begeistert alles, was zu mehr Lebensenergie und Leichtigkeit führt. Alte Weisheiten und Mittel zur Selbsthilfe sind mir genauso wichtig, wie Energiearbeit und Stressabbau.

Ähnliche Beiträge

Schreibe einen Kommentar