Die 3 größten Schwierigkeiten beim Reiki praktizieren
Ständiges Eingreifen wollen, das Anzweifeln der eigenen Wahrnehmungen oder die Angst, Fehler zu machen sind Schwierigkeiten beim Reiki praktizieren, die mir in meiner eigenen Reiki-Praxis und in der Begleitung anderer Menschen häufig begegnet sind. In diesem Beitrag möchte dir diese drei Hürden vorstellen.

Jeder praktiziert auf seine eigene Weise
Reiki ist ein Erfahrungsweg. Jeder Mensch bringt andere Voraussetzungen mit, nimmt Energie auf seine eigene Weise wahr und macht im Laufe seiner Praxis ganz individuelle Erfahrungen. Während der eine schon früh ein Kribbeln in den Händen spürt, nimmt der andere zunächst kaum etwas wahr. Manche erleben intensive emotionale Prozesse, andere bemerken erst mit der Zeit, wie sich ihre innere Haltung und ihr Umgang mit bestimmten Situationen verändern.
Und doch gibt es Schwierigkeiten, vor denen viele Reiki-Praktizierende irgendwann stehen. Sie haben weniger damit zu tun, ob jemand Reiki richtig anwenden kann, sondern vielmehr damit, wie wir mit unseren eigenen Erwartungen, Zweifeln und Vorstellungen umgehen.
1. Die Kontrolle abgeben und geschehen lassen
Eine der größten Herausforderungen beim Reiki praktizieren ist es, die Kontrolle abzugeben. Wir legen die Hände auf, möchten etwas bewirken und beobachten aufmerksam, was passiert. Spüren wir eine Wärme, ein Kribbeln oder eine Veränderung, versuchen wir vielleicht, diese Empfindung zu verstärken. Bleibt die Wahrnehmung aus, fragen wir uns, ob Reiki überhaupt wirkt oder ob es bei uns einfach nicht klappen will.
Schnell entsteht eine Erwartungshaltung. Wir möchten ein bestimmtes Ergebnis erreichen, eine Veränderung wahrnehmen oder verstehen, was gerade geschieht. Unser Verstand sucht nach Erklärungen und Sicherheit. Er möchte nachvollziehen können, was passiert, warum es passiert und ob wir alles richtig machen. Doch genau hier beginnt die Schwierigkeit: Reiki lässt sich nicht vollständig kontrollieren.
Wenn wir Reiki praktizieren, dürfen wir lernen, den Prozess geschehen zu lassen, anstatt ihn ständig zu bewerten oder beeinflussen zu wollen. Wir müssen nicht herausfinden, wohin die Energie fließt und auch nicht versuchen, sie bewusst an eine bestimmte Stelle zu lenken. Reiki soll sich seinen Weg suchen können, ohne dass wir jeden Schritt gedanklich begleiten. Das bedeutet nicht, dass wir passiv sein müssen oder uns keine Gedanken über unsere Praxis machen dürfen. Ziel des bewussten Praktizierens ist es, den Unterschied zwischen achtsamer Begleitung und kontrollierendem Eingreifen zu erkennen.

Du musst nicht dafür sorgen, dass Reiki wirkt. Du darfst lernen, ihm Raum zu geben.
Je mehr wir versuchen, einen bestimmten Zustand herzustellen, desto stärker beschäftigen wir uns mit unseren eigenen Vorstellungen davon, wie eine Reiki-Anwendung ablaufen sollte. Dabei übersehen wir leicht, was tatsächlich geschieht. Vielleicht nehmen wir weniger wahr, als wir erwartet haben oder der Prozess entwickelt ganz anders, als wir es uns vorgestellt hatten.
Die Herausforderung besteht darin, auch das anzunehmen, ohne sofort etwas verändern zu wollen. Reiki fließt dorthin, wo es benötigt wird. Wir müssen die Energie nicht bewusst lenken, anweisen oder versuchen, sie an eine bestimmte Stelle zu bringen. Der Reiki-Geber ist letztlich nur der Kanal, durch den die Energie fließen kann. Deshalb ist ein ständiges Eingreifen nicht notwendig. Wir müssen nicht wissen, was gerade im Körper oder im Energiefeld geschieht und wir müssen auch nicht entscheiden, wo Reiki am meisten gebraucht wird. Die Energie kann ihren eigenen Weg finden.
Je mehr wir versuchen, diesen Prozess mit unserem Verstand zu steuern, desto mehr entfernen wir uns von dem eigentlichen Prinzip des Geschehenlassens. Vertrauen bedeutet hier nicht, einfach nichts zu tun, sondern die eigene Rolle zu verstehen. Wir stellen uns als Kanal zur Verfügung und erlauben Reiki, zu wirken, ohne den Prozess kontrollieren zu wollen.
Mit diesem Vertrauen kann sich auch die eigene Praxis verändern. Aus dem Gedanken „Ich muss etwas bewirken“ wird zunehmend ein „Ich lasse geschehen“. Dieses Vertrauen wirkt sich letztendlich auch auf die eigene Wahrnehmung und die Fähigkeit, nicht auf jede offene Frage sofort eine Antwort finden zu müssen, aus.
2. Die eigenen Wahrnehmungen anzuzweifeln
War das gerade wirklich Energie? Oder habe ich mir das nur eingebildet? Viele Menschen stellen sich früher oder später diese Frage. Vielleicht spürst du während einer Reiki-Anwendung Wärme, ein leichtes Pulsieren oder eine Veränderung an einer bestimmten Körperstelle. Oder es entsteht ein inneres Bild, ein Gefühl oder eine spontane Eingebung. Doch kaum hast du etwas wahrgenommen, beginnt der Verstand, es infrage zu stellen.
Kann das überhaupt sein? Müsste es nicht anders sein? Gibt es dafür einen Beweis? Insbesondere wenn wir uns lange Zeit hauptsächlich an dem orientiert haben, was sich logisch erklären und mit unseren bisherigen Erfahrungen vereinbaren lässt, kann es ungewohnt sein, uns auf feinstoffliche Wahrnehmungen einzulassen. Energetische Prozesse sind für viele Menschen Neuland. Es fehlt zunächst eine vertraute Grundlage, anhand derer sie ihre Erfahrungen einordnen können.
Der Verstand versucht deshalb, das Neue mit dem Bekannten abzugleichen. Was sich nicht erklären lässt, wird schnell als Zufall, Fantasie oder Hirngespinst abgetan.Dabei muss eine Wahrnehmung nicht spektakulär sein, um für dich persönlich von Bedeutung zu sein. Nicht jeder Mensch erlebt intensive Bilder, deutliche Empfindungen oder außergewöhnliche Momente. Bei manchen zeigen sich Wahrnehmungen eher körperlich, bei anderen emotional oder auf einer intuitiven Ebene. Manchmal steht zunächst im Vordergrund, während einer Anwendung ruhiger zu werden oder sich selbst bewusster wahrzunehmen. Es gibt keinen einheitlichen Maßstab, an dem du deine Wahrnehmung mit der anderer Menschen vergleichen musst.

Du musst nicht alles erklären können, um deine Erfahrung zunächst einmal wahrzunehmen.
Das bedeutet allerdings auch nicht, dass jede Empfindung automatisch eine objektive Wahrheit bestätigt. Es ist hilfreich, offen und zugleich achtsam zu bleiben. Du darfst beobachten, was du wahrnimmst, ohne sofort eine endgültige Erklärung dafür finden zu müssen.
Oft sind wir dabei sogar selbst diejenigen, die unsere Wahrnehmung schlechtreden. Wir spüren etwas und suchen unmittelbar nach einer Erklärung, warum es wahrscheinlich doch nichts gewesen sein kann. „Das bilde ich mir nur ein“, „Das war bestimmt Zufall“ oder „Das kann gar nicht sein“ sind Gedanken, die eine eigentlich klare Wahrnehmung schnell wieder überdecken können. Dadurch entsteht ein Kreislauf: Wir nehmen etwas wahr, zweifeln daran, versuchen es mit dem Verstand zu erklären und schenken der ursprünglichen Wahrnehmung dadurch immer weniger Vertrauen. Mit der Zeit kann es dann so wirken, als würden wir überhaupt nichts wahrnehmen, obwohl wir vielleicht längst begonnen haben, unsere eigene Wahrnehmung zu übergehen.
Doch mit zunehmender Praxis lernst du, deine Erfahrungen besser kennenzulernen und voneinander zu unterscheiden. Du entwickelst ein Gefühl dafür, was dir vertraut ist und was neu hinzukommt. Manchmal wird die Wahrnehmung deutlicher, wenn wir uns weniger mit ihr beschäftigen und stattdessen mehr Raum für die eigentliche Erfahrung lassen. Auch die Auseinandersetzung mit eigenen Schatten, ungelösten Themen und inneren Blockaden kann Teil dieses Weges sein. Denn je besser wir uns selbst kennenlernen, desto bewusster können wir mit dem umgehen, was wir in der Reiki-Praxis erleben. Du musst also nicht darauf warten, dass dir jemand beweist, was du wahrnimmst. Du darfst lernen, deine Erfahrungen ernst zu nehmen, ohne dich von ihnen abhängig zu machen.
3. Angst davor haben, etwas falsch zu machen
Habe ich alle Handpositionen berücksichtigt? Bin ich lange genug an dieser Stelle geblieben? Habe ich etwas vergessen? Und was ist, wenn ich eine wichtige Position auslasse? Gerade zu Beginn der Reiki-Praxis können solche Fragen viel Raum einnehmen. Wir möchten alles richtig machen und möglichst keinen Fehler begehen. Deshalb orientieren wir uns an Anleitungen, festen Abläufen und vorgegebenen Handpositionen.
Das ist zunächst vollkommen nachvollziehbar. Klare Strukturen geben Sicherheit und helfen uns, die Grundlagen kennenzulernen, uns mit der Anwendung vertraut zu machen und erste Erfahrungen zu sammeln. Handpositionen können eine wertvolle Orientierung sein, wenn wir noch nicht wissen, wie wir eine Reiki-Anwendung gestalten möchten.
Schwierig wird es erst dann, wenn wir glauben, uns dauerhaft an einen festen Ablauf halten zu müssen. Wenn wir während einer Anwendung gedanklich bereits bei der nächsten Position sind, anstatt bei dem zu bleiben, was gerade geschieht, wird aus einer hilfreichen Anleitung schnell eine Einschränkung. Wir konzentrieren uns nur noch darauf, nichts zu vergessen und verlieren dabei möglicherweise den Kontakt zu unserer Intuition.
Mit zunehmender Erfahrung darfst du deshalb lernen, dich schrittweise von festen Abläufen zu lösen. Du kannst die Handpositionen weiterhin als Orientierung nutzen, musst sie aber nicht bei jeder Anwendung vollständig und in einer bestimmten Reihenfolge durchgehen. Stattdessen kannst du dich stärker daran orientieren, was in der jeweiligen Situation sinnvoll erscheint. Vielleicht möchtest du deine Hände an einer bestimmten Stelle länger liegen lassen, bis du den klaren Impuls erhältst, sie an eine andere Stelle zu bewegen.
Nicht jede Anwendung muss lang sein. Du musst dir nicht immer einen festen Zeitraum freihalten oder ein vollständiges Programm absolvieren. Gerade wenn du Reiki bei akuten Belastungen, in kurzen Pausen oder vor dem Einschlafen praktizierst, können kurze Momente eine wertvolle Ergänzung deiner regelmäßigen Praxis sein. Das Ziel ist nicht, möglichst viele Handpositionen abzuarbeiten. Stattdessen sollte Reiki zu einem natürlichen Bestandteil deines Lebens werden. Irgendwann darfst du einen Weg finden, Reiki zu praktizieren, der gut in deinen eigenen Alltag passt. Eine bedarfsorientierte Praxis kann dabei sinnvoller sein als ein festes Schema.
Anleitungen dürfen dir Sicherheit geben, ohne dir vorzuschreiben, wie jede einzelne Anwendung aussehen muss.
Auch deine Intuition entwickelt sich mit der Zeit. Je vertrauter du mit Reiki wirst, desto leichter kann es dir fallen, auf deine eigenen Impulse zu achten, anstatt ständig darüber nachzudenken, ob du gerade alles richtig machst. Das betrifft nicht nur die Wahl der Handpositionen, sondern auch die Frage, wie lange du an einer Stelle verweilst.
Du musst dabei nichts erzwingen. Es ist vollkommen in Ordnung, dich gerade am Anfang an einer Anleitung zu orientieren. Wichtig ist nur, dass du dir die Möglichkeit offenhältst, deinen eigenen Zugang zu entwickeln. Denn Reiki ist keine Prüfung, bei der du eine bestimmte Anzahl von Handpositionen korrekt ausführen musst. Es ist ein Weg, auf dem du mit jeder Anwendung neue Erfahrungen sammeln kannst.
Reiki praktizieren bedeutet auch, sich selbst kennenzulernen
Die drei beschriebenen Hürden haben etwas gemeinsam: Sie zeigen uns, wie stark unsere eigenen Vorstellungen, Erwartungen und Überzeugungen die Reiki-Praxis beeinflussen können. Wir möchten kontrollieren, was geschieht. Wir zweifeln an dem, was wir wahrnehmen und suchen nach festen Regeln, die uns davor bewahren sollen, Fehler zu machen.
Doch gerade diese Herausforderungen bieten die Möglichkeit, nicht nur Reiki besser kennenzulernen, sondern auch uns selbst. Wir erkennen, wo es uns schwerfällt, Kontrolle abzugeben oder warum wir für jede Erfahrung eine Erklärung brauchen. Oder woher diese Angst, etwas falsch zu machen, stammen könnte. Solche Fragen können weit über die eigentliche Reiki-Anwendung hinausreichen und helfen uns dabei, eigene Muster zu erkennen und einen bewussteren Umgang mit uns selbst zu entwickeln.
Dabei gibt es keinen festen Zeitplan. Manche Schwierigkeiten lösen sich schnell, andere begleiten uns über längere Zeit. Sobald wir glauben, eine Hürde überwunden zu haben, begegnen wir ihr vielleicht in einer anderen Form erneut. Das ist aber kein Zeichen dafür, dass wir etwas falsch machen. Es gehört zu einem Erfahrungsweg, auf dem wir uns immer wieder neu begegnen.
Auch ich habe im Laufe meiner eigenen Reiki-Praxis viele solcher Herausforderungen erlebt. In der Begleitung anderer Menschen habe ich immer wieder festgestellt, dass sich bestimmte Fragen und Schwierigkeiten wiederholen, obwohl jeder seinen ganz eigenen Weg geht. Aus diesem Grund ist es mir wichtig, auch über die Seiten der Reiki-Praxis zu sprechen, die nicht immer leichtfallen. Denn manchmal hilft es bereits zu erkennen, dass andere Menschen ähnliche Zweifel und Herausforderungen erleben. Du musst nicht jede Antwort sofort finden und auch nicht jede Schwierigkeit allein lösen.
In meinem Buch „Der Weg der Selbstmeisterschaft“ gehe ich auf viele weitere Herausforderungen ein, die uns auf dem spirituellen Weg und beim Reiki praktizieren begegnen können. Dabei fließen sowohl meine eigenen Erfahrungen als auch zahlreiche Erfahrungen von Menschen ein, die ich auf ihrem Weg begleiten durfte.

Reiki kann eine Tür öffnen. Doch was geschieht, wenn du wirklich hindurchgehst?
Für Reiki-Praktizierende aller Grade und für alle, die Spiritualität nicht nur verstehen, sondern wirklich erfahren und verkörpern möchten.
Dieses Buch ist meine Einladung, dorthin zu schauen, wo es unbequem wird. Dorthin, wo wir uns selbst nicht mehr mit schönen Erklärungen ausweichen können. Aber auch dorthin, wo aus all dieser Arbeit etwas unglaublich Wertvolles entstehen kann: mehr Bewusstsein, Selbstverantwortung und eine innere Freiheit. Und vor allem tiefere Verbindung zu dem Menschen, der wir wirklich sind.
Drei Jahre lang war dieses Buch ein Teil meines Lebens. Heute ist es kein Manuskript mehr und darf seinen eigenen Weg gehen. Der Weg der Selbstmeisterschaft ist nahezu überall im Online-Buchhandel als Paperback-Taschenbuch (21,99€) und auch als E-Book (12,99 €) erhältlich (ISBN: 3819435808).
Vielleicht erkennst du dich in manchen Erfahrungen wieder oder findest neue Denkanstöße oder entdeckst eine Herausforderung, die du bisher noch nicht aus dieser Perspektive betrachtet hast.
