Wenn es dir nach einer Reiki Behandlung schlechter geht
Reiki fließt sanft dorthin, wo es am dringendsten gebraucht wird und wirkt, wenn der Körper erschöpft und der Geist überlastet ist. Doch manchmal liegt die eigentliche Arbeit tiefer. Dann kann Reiki uns einen Spiegel vorhalten und Themen zeigen, die wir am liebsten nicht sehen wollen. Hier fühlt es sich so an, als würde Reiki alles schlimmer machen. Das steckt dahinter und so gehst du damit um.

Reiki fließt so angenehm wie möglich
Nach einer Reiki-Anwendung erwarten viele Menschen vor allem eines: Entspannung, Ruhe und ein angenehmes Gefühl. Meistens kann Reiki auch genau das bewirken. Der Körper kommt zur Ruhe, der Kopf wird stiller und man fühlt sich leichter und ausgeglichener.
Doch manchmal passiert das Gegenteil und wir fühlen uns nach einer Reiki-Anwendung plötzlich müde, emotional aufgewühlt, traurig oder sogar schlechter als vorher. Alte Gedanken tauchen wieder auf, längst vergessene Gefühle werden spürbar oder Themen kommen an die Oberfläche, mit denen wir uns eigentlich gar nicht beschäftigen wollten.
Warum kann das passieren? Mein Grundsatz lautet: Reiki wirkt so angenehm wie möglich, aber so hart wie nötig.
Ich habe in meiner eigenen Praxis die Erfahrung gemacht, dass immer genau die Menge und die Intensität fließen, die gerade erforderlich sind. Es geht nicht immer darum, möglichst viel Energie aufzunehmen oder einen Prozess mit maximaler Intensität zu durchlaufen. Vielmehr vertraue ich darauf, dass Reiki seinen Weg findet und sich die Anwendung so entfalten darf, wie es in diesem Moment sinnvoll ist.
Manchmal zeigt sich das in tiefer Entspannung, innerer Ruhe und einem Gefühl von Leichtigkeit. Manchmal werden wir dagegen mit Themen konfrontiert, die unangenehm sind oder uns zunächst aus dem Gleichgewicht bringen. In diesen Moment braucht es mehr. Insbesondere, wenn Themen berührt werden, die nicht an der Oberfläche. Hier ist es wichtig, dem Prozess Raum zu geben und achtsam wahrzunehmen, was gerade geschieht.
Diese Erfahrung hat meinen Blick auf Reiki verändert. Ich muss nicht bestimmen, wie eine Anwendung ablaufen soll und ich muss auch nicht beurteilen, ob sie erfolgreich war, nur weil ich mich danach besonders gut fühle. Ich darf lernen, dem Prozess zu vertrauen, ohne dabei meine eigenen Grenzen aus den Augen zu verlieren.
Wenn Reiki einen Spiegel vorhält
Wir alle tragen Erfahrungen mit uns. Manche davon sind uns bewusst, andere haben wir längst verdrängt, vergessen oder gelernt, nicht mehr hinzusehen. Wir funktionieren im Alltag, gehen unserer Arbeit nach, kümmern uns um andere Menschen und haben es uns zur Gewohnheit gemacht, bestimmte Gefühle beiseitezuschieben. Manche Themen erscheinen uns irgendwann als erledigt, obwohl sie innerlich noch immer wirken.
Reiki kann solche Bereiche berühren, weil wir durch die zunehmende Wahrnehmung unserer eigenen inneren Welt mit Dingen in Kontakt kommen können, die bisher wenig Raum hatten. Plötzlich taucht ein Gefühl auf, für das es scheinbar keinen aktuellen Grund gibt. Wir werden traurig, obwohl eigentlich alles in Ordnung ist. Eine alte Erinnerung lebt wieder auf oder wir erkennen plötzlich, dass wir schon seit Jahren in einem bestimmten Muster leben.
In solchen Momenten kann Reiki uns einen Spiegel vorhalten, damit wir schwarz auf weiß sehen können, welche verletzten, verleugneten oder längst vergessenen Seelenanteile geheilt und abgelöst werden wollen. Ja, manchmal gefällt uns nicht, was wir in diesem Spiegel sehen. Wir dachten, dieses Thema längst hinter uns gelassen zu haben. Aber nur, weil Reiki vorliegende Blockaden besonders betonen kann, heißt das nicht, dass Reiki Themen verschlimmert oder etwas „kaputt gemacht“ hat. Hier ist lediglich etwas sichtbar geworden, das vorher schon da war.

Spirituelle Schattenarbeit mit Reiki
Die eigene Heilreise mit Reiki führt nicht an der Auseinandersetzung mit den eigenen Schatten vorbei. Mit „Schatten“ sind dabei nicht irgendwelche dunklen oder negativen Energien gemeint, sondern die Anteile unseres Erlebens, die wir nicht sehen, nicht fühlen oder nicht wahrhaben wollten. Blinde Flecken, die wie auf Autopilot unser Verhalten steuern, ohne das wir es bemerken.
Schatten entstehen, wenn wir Wut unterdrücken oder gelernt haben, immer stark sein zu müssen. Wenn wir alte Ängste mit uns herumtragen oder uns bestimmte Bedürfnisse nie erlaubt haben. Manche Türen haben wir bewusst geschlossen, weil wir irgendwann nicht mehr wussten, wie wir mit dem umgehen sollten, was dahinter lag. Das sind Situationen, in denen wir unsere innersten Gefühlen verdrängen oder abwehren mussten. Doch energetisch gesehen lösen sich diese Spannungen nicht auf, nur weil wir die Realität nicht wahrhaben wolle.
Reiki kann helfen, diese Türen wieder einen Spalt weit zu öffnen, indem es Verbindung zu den Anteilen im Inneren schafft, die auf ihre Heilung warten. Dadurch kann sich eine Tür öffnen, die sehr lange verschlossen war. Dann kann es zunächst chaotisch werden, denn wenn wir plötzlich wieder Kontakt zu verdrängten Gefühlen, alten Verletzungen oder vergessenen Anteilen bekommen, braucht es einen gewissen Moment, ehe wir einen Weg finden, wie wir damit umgehen sollen. Die erste Reaktion kann deshalb durchaus unangenehm sein.
Heilung fühlt sich nicht immer angenehm an
Wir verbinden Heilung häufig mit einem angenehmen Zustand und mit dem Wunsch, sich besser fühlen, leichter werden und unsere Probleme hinter uns lassen. Wir erwarten, dass sich Blockaden schnell auflösen, körperliche Beschwerden sofort abklingen und Reiki unsere Probleme abnimmt.
Doch ganzheitliche funktioniert anders. Manchmal ist es wichtiger, endlich das zu fühlen, was wir jahrelang nicht fühlen wollten. Heilung bedeutet auch, eine Wahrheit über uns selbst anzuerkennen, auch wenn diese schmerzhaft sein kann. Vor allem dann, wenn wir erkennen, dass eine Beziehung, eine Gewohnheit oder eine Lebenssituation, an denen wir jahrelang festgehalten haben, nicht mehr zu uns passt. Plötzlich sehen wir uns gezwungen, eine Veränderung vorzunehmen, die wir bisher vermieden haben.
Dieser Prozess ist aber nicht als Strafe zu verstehen, auch wenn sich Veränderung meistens unbequem anfühlt. Reiki zeigt uns nicht immer das, was wir sehen möchten, sondern das, was wir sehen müssen, um weiterzugehen. Für mich ist das ein wichtiger Aspekt der spirituellen Schattenarbeit, der oft vergessen wird. Im energetischen Kontext ist diese Phase als Erstverschlimmerung oder Heilungskrise bekannt. Wichtig hierbei ist: eine solche Heilreaktion ist bereits Teil der Heilung.

Reiki kann die eigene Heilreise beschleunigen
Viele Menschen arbeiten über Jahre oder sogar Jahrzehnte an bestimmten Themen. Sie entwickeln sich weiter, sammeln Erfahrungen und begegnen ihren eigenen Mustern immer wieder. Reiki kann solche Prozesse beschleunigen.
Nicht in dem Sinne, dass plötzlich jedes Problem verschwunden ist. Vielmehr kann Reiki den Zugang zu den eigenen Themen erleichtern und Prozesse in Bewegung bringen, die vorher nur langsam oder überhaupt nicht zugänglich waren. Was sich ohne diese intensive innere Arbeit vielleicht über mehrere Jahre entwickelt hätte, kann sich innerhalb vergleichsweise kurzer Zeit zeigen.
Das zwar kann unglaublich wertvoll, aber auch herausfordernd sein. Denn wenn mehrere Türen gleichzeitig aufgehen, kann sich das eigene Innenleben vorübergehend ziemlich chaotisch anfühlen. Gedanken überschlagen sich und Gefühle kommen in Wellen. Alte Erinnerungen tauchen auf und die Dinge, die vorher funktioniert haben, funktionieren plötzlich nicht mehr. Etwas, das lange keinen Raum hatte, beginnt sich zu zeigen.
Wenn plötzlich alles gleichzeitig kommt
Gerade in solchen Phasen ist es wichtig, nicht jedem auftauchenden Gefühl sofort eine große Bedeutung geben zu müssen. Du musst nicht jede Wahrnehmung analysieren oder jede Erinnerung verstehen. Und du musst auch nicht jedes auftauchende Thema sofort lösen. Manchmal reicht es zunächst, wahrzunehmen, was gerade da ist.
Für diese Arbeit kann Reiki weiterhin ein Werkzeug sein, um mit diesen Prozessen umzugehen. Wir sollten nicht versuchen, unangenehme Gefühle möglichst schnell wieder loszuwerden, sondern ihnen Raum geben. Dabei kann es sinnvoll sein, die eigene Praxis an die aktuelle Situation anzupassen.
Manchmal ist eine kurze Reiki-Anwendung genau richtig. Dann gibt es Situationen, in denen es mehr Ruhe und Zeit braucht. Schließlich gibt es Phasen, in denen es vorkommen kann, Reiki für einen Moment beiseitezulegen und sich Unterstützung zu suchen, wenn ein Prozess zu überwältigend wird. Reiki sollte niemals dazu führen, dass du deine eigenen Grenzen ignorierst.
Was kannst du tun, wenn du dich nach Reiki schlechter fühlst?
Bei aller Offenheit für energetische und spirituelle Prozesse ist mir ein Punkt besonders wichtig: Nicht jedes körperliche oder psychische Unwohlsein nach einer Reiki-Anwendung hat automatisch einen tieferen Sinn.
Nicht falsch verstehen, alles geschieht aus einem bestimmten Grund und ist nicht zufällig da. Doch in der Zeit, in der du damit beschäftigt bist, nach einem Grund dafür zu suchen, warum es dir gerade so schlecht geht, könntest du dich darauf konzentrieren, diese Energie oder Spannung loszulassen.
Loslassen beginnt damit, zu beobachten, was sich genau verändert hat. Ist es körperliche Müdigkeit? Wurden bestimmte Körperempfindungen besonders betont? Kam eine emotionale Reaktion oder sind alte Gedanken oder Erinnerungen aufgetaucht? Gibt es ein bestimmtes Thema, das plötzlich immer wieder in dein Bewusstsein kommt?
Versuche nicht unbedingt, sofort eine Erklärung für alles zu finden. Gib dir Zeit und erlaube dir, auch mal traurig, erschöpft oder gereizt zu sein. Indem du deinen Gefühlen und schmerzhaften Erinnerungen den Raum gibst, den sie früher nicht hatten, löst du ihre Spannungen und Verstrickungen mit dem jetzigen Moment auf und sorgst dafür, dass ihr emotionale Ladung abgebaut werden kann. Auf diese Weise lösen sich energetische Blockaden auf, ohne dass du zu sehr in vergangenes Leid hineinfallen musst.
Währenddessen kannst du weiterhin Reiki praktizieren, aber vielleicht etwas sanfter oder kürzer als bisher. Reiki-Symbole helfen ebenfalls dabei, leichter mit emotionalem Chaos umzugehen Du kannst dich bewusst erden, spazieren gehen, schlafen, schreiben oder mit einem Menschen sprechen, dem du vertraust. All das hilft dabei, deine Emotionen auszudrücken und zu verarbeiten.
Am Ende kannst du dich fragen, was dir diese Erfahrung vielleicht zeigen wollte. Nicht jede Antwort muss sofort kommen, denn manchmal braucht ein Prozess Zeit, bis wir verstehen, was sich eigentlich verändert hat.

Reiki kann eine Tür öffnen. Doch was geschieht, wenn du wirklich hindurchgehst?
Für Reiki-Praktizierende aller Grade und für alle, die Spiritualität nicht nur verstehen, sondern wirklich erfahren und verkörpern möchten.
Dieses Buch ist meine Einladung, dorthin zu schauen, wo es unbequem wird. Dorthin, wo wir uns selbst nicht mehr mit schönen Erklärungen ausweichen können. Aber auch dorthin, wo aus all dieser Arbeit etwas unglaublich Wertvolles entstehen kann: mehr Bewusstsein, Selbstverantwortung und eine innere Freiheit. Und vor allem tiefere Verbindung zu dem Menschen, der wir wirklich sind.
Drei Jahre lang war dieses Buch ein Teil meines Lebens. Heute ist es kein Manuskript mehr und darf seinen eigenen Weg gehen. Der Weg der Selbstmeisterschaft ist nahezu überall im Online-Buchhandel als Paperback-Taschenbuch (21,99€) und auch als E-Book (12,99 €) erhältlich (ISBN: 3819435808).
Heilung bedeutet nicht immer, dass sich alles angenehm anfühlt. Manchmal bedeutet Heilung auch, den Mut zu finden, etwas wirklich zu verändern. An diesem Punkt kann Reiki zu weit mehr werden als einer Methode zur Entspannung: zu einem Weg, auf dem wir uns selbst immer wieder begegnen.
