Was sind Ersatzgefühle

Was sind Ersatzgefühle und wie sie uns täglich manipulieren

Zuneigung und Wertschätzung sind natürliche Bedürfnisse eines jeden Menschen. Viele Beziehungen werden nur aus diesem Grund geschlossen. Doch manchmal zeigen wir auch Ersatzgefühle, wenn andere Gefühle unterdrückt wurden. Doch was sind Ersatzgefühle eigentlich und wieso sind so so gefährlich?

Was sind Ersatzgefühle

Zusammenfassung der Podcast Folge

Manche Menschen erhalten einfach gerne Aufmerksamkeit. Sie sind es gewohnt, dass viele Leute um sie herum sind. So sind sie auch gerne im Mittelpunkt. Man könnte das auch als extrovertiert bezeichnen. Sie gehen gerne offen auf Menschen zu, verwickeln andere direkt in Gespräche und es fällt ihnen wiederum auch gar nicht schwer, neue Kontakte zu knüpfen. Auf der anderen Seite sind die Menschen, die man als introvertiert bezeichnen würde.

Diese benötigen nicht so viel Aufmerksamkeit und Leute in ihrem Umfeld. Sie können auch gerne einige Zeit allein verbringen. Vielleicht wirkt es so, als seien diese Leute schüchtern. Doch die wenigen Freunde wissen, dass introvertierte Personen sehr loyal, ehrlich und offen sprechen, sofern sie erstmal das nötige Vertrauen aufgebaut haben. Egal, ob eine Person extrovertiert oder introvertiert ist, jeder Mensch möchte Zuneigung und Wertschätzung erhalten. Denn dies ist eine ganz natürliche Sache. Schon als Kleinkinder sind wir auf elterliche Zuneigung aus.

Viele Beziehungen werden heutzutage auch nur deshalb geführt, damit man Bestätigung und Wertschätzung von außen erhält. Auffällig ist, dass man nicht einfach offen kommuniziert, dass man ein Verhalten nur zeigt, um Zuneigung und Aufmerksamkeit zu erhalten. So kann es durchaus sein, dass man seine gegenwärtige Traurigkeit gerne unterdrückt, obwohl man hier gerne getröstet werden würde. Stattdessen erzeugt man auf eine andere Weise die gewünschte Aufmerksamkeit, um selbige Zuneigung zu erhalten. Genau hier spricht man dann von einem Ersatzgefühl. Es entsteht zunächst ein manipulativer Beigeschmack, wenn man sich diesem Verhalten nicht bewusst ist.

Wertschätzung in der Gesellschaft

Nüchtern betrachtet hatte ich schon immer einen sehr überschaubaren Freundeskreis. Das erste mal viel mir das im Alter von 18 Jahren auf. Nach dem Abitur waren einige Wochen frei, bis die Noten bekannt gegeben wurden. In dieser Zeit hatte man natürlich viel freie Zeit, um etwas mit Freunden zu unternehmen. Doch die meiste Zeit über war ich allein zuhause, während sich meine Freude zusammen auf Veranstaltungen und Parties rumtrieben. Nach und nach kam das Gefühl in mir hoch, dass ich etwas verpassen würde.

Auch heute noch bin ich jemand, der keine groß Aufmerksamkeit von anderen Menschen benötigt. Und genau aus diesem Grund erhielt ich auch so lange keine. Und die meiste Zeit über störte mich das auch nicht. Zuletzt erkannte ich aber zunehmend, dass es schon ein Hindernis darstellen kann. Denn ohne, dass man Aufmerksamkeit erregt, ist es immer schwer, eine Message oder gar eine Geschäftsidee nach außen zu tragen. Vor allem wenn man zu Beginn noch keine Unsummen für Marketingzwecke aufbringen kann. Umso schwerer war es dann natürlich, dieses Weltbild abzulegen, da es über so viele Jahre hinweg mein Verhalten und Denkweisen über Konditionierungen geprägt hatte.

Gerade auch Zuneigung, Wertschätzung und Aufmerksamkeit sind essentielle Bedürfnisse, die man nicht so einfach unterdrücken kann. Viel mehr hat das Gehirn sogar ein ausgeklügeltes Verfahren entwickelt, um diese Bedürfnisse selbst dann zu erhalten, wenn das gezeigte Verhalten dies gar nicht verdient hätte. Der Grund ist auch ziemlich einfach: durch Zuneigung werden Gefühle hervorgebracht, welche wiederum hormonelle Reaktionen hervorrufen. Genauer gesagt werden Endorphine ausgeschüttet, die ein Wohlgefühl in uns verursachen. Diese Glückshormone können auch von Aktivitäten wie Lachen oder gutes Essen ausgelöst werden.

Was sind Ersatzgefühle

Am einfachsten erkläre ich Dir Ersatzgefühle anhand des folgendem Beispiels. Ein Kind fällt beim Spielen hin und schürft sich leider die Hand auf. Es rennt zur Mutter mit der Hoffnung, dass die Mutter sich darum kümmert und dem Kind einfach Zuneigung und Wertschätzung zeigt. Dann wäre der Schmerz nämlich auch schnell vergessen. Doch leider hat sich das Kind schon den ganzen Tag über äußert schlecht benommen und hörte nicht. Die Mutter ist dadurch total gereizt und geht auch gar nicht auf das Kind und die Verletzung ein. Selbst das Weinen des Kindes wird nun ignoriert. Anstatt der geforderten Zuneigung reagiert die Mutter pampig und zeigt sich verärgert.

So lernt das Kind früh, dass Gefühle wie Traurigkeit, Kummer oder Unwohlsein nicht gerne gesehen werden und auch nicht zielführend sind. Es beobachtet die Welt und muss erkennen, dass diese Gefühle sogar unterdrückt werden. Es hört Aufforderungen, wie: “Hör auf zu weinen!”. Oftmals sieht das Kind, wie sich die Eltern streiten und der Vater voller Zorn das Haus verlässt. So lernt das Kind, dass Ärger und Wut toleriert werden, wohingegen Schwäche und Traurigkeit nicht geduldet werden. Viel mehr wird sogar mit Zorn reagiert, sobald es traurig oder verletzt war. Nach wie vor bleibt aber das Bedürfnis nach Zuneigung bestehen.

Nun wird das Kind älter und das Verhalten immer mehr durch Gewohnheiten automatisiert. Viele dieser Gewohnheiten wurden einfach vom Feedback der äußeren Welt abhängig gemacht. In einigen Fällen wird auch einfach das Verhalten der Eltern adaptiert. Eine dieser Gewohnheiten beinhaltet es nun auch, unerlaubte Gefühle nicht mehr wahrzunehmen und auszudrücken. Stattdessen werden hier Ersatzgefühle gezeigt, welche bessere Erfolgsaussichten versprechen.

Was sind Ersatzgefühle

Manipulativer Teufelskreis

Jahrelang wurde so durch diese Reizreaktionen einprogrammiert, dass Grundgefühle wie Ärger, Traurigkeit, Angst und Schmerz scheinbar keinen Platz und auch keine Ausdrucksform haben. Diese Gefühle werden in der Gesellschaft nicht wirklich akzeptiert. Sie wurden ignoriert und angefeindet. So werden diese Gefühle sogar “verboten”, also unterdrückt und einfach nicht mehr wahrgenommen. Hier wird nun ein Ersatzgefühl anstelle des nicht erlaubten Gefühls gesucht und in diesen Situationen ausgedrückt. Dafür erhalten wir dann die ersehnte Anerkennung und Zuneigung.

Diese Ersatzgefühle springen auch im Erwachsenenalter einfach automatisch an und ersetzen einfach das unerlaubte Gefühl, welches in dieser Situation eigentlich angemessen gewesen wäre. Und das passiert auch tatsächlich häufig. Beispielsweise schreit ein Mann laut auf und ärgert sich, als er einen Verlust oder eine Niederlage hinnehmen musste. Doch Traurigkeit hat hier keinen Platz. Ärger jedoch schon. Eine Frau verursacht einen Streit, obwohl sie eigentlich vom Verhalten des Mannes enttäuscht war. Doch Enttäuschung und Schmerz haben hier keinen Platz. Wut jedoch schon.

Natürlich ist es nun auch für eine andere Person irritierend. Der Mann aus dem obigen Beispiel kann nicht wissen, dass die Frau einfach enttäuscht und verletzt ist. Er sieht nur, dass sie nörgelt und einen Streit provoziert. Also versucht sich der Mann natürlich zu rechtfertigen und geht auf den Streit ein, da dieser für ihn unbegründet erscheint. Hier entsteht ein echter Teufelskreis, der weit weg von den Gefühlen führt, die hier eigentlich wahrgenommen werden wollten. Nämlich Enttäuschung!

Doch was können wir tun, um unsere eigenen Ersatzgefühle und sogar die Ersatzgefühle anderer zu entlarven? Nun, im Grunde sollte man immer bei sich selbst beginnen. Ganz nach dem Motto: Sei selbst die Veränderung, die Du in dieser Welt möchtest. Werde dir so oft wie möglich deinen Wahrnehmungen und Gefühlen bewusst. Beobachte einfach, welche Gefühle hochkommen und wie deine Reaktion und dein Verhalten dazu aussieht. Ist dein Verhalten authentisch und angemessen? Reagierst Du mit Wut und Zorn, obwohl Du eigentlich weinen könntest? So wirst Du nach und nach unterdrückte Gefühle erkennen können. Und dies wird dann auch auf dein Umfeld abfärben und Du wirst ein Gespür dafür entwickeln, wann ein Verhalten nicht angemessen ist.

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Mike
Author: Mike

Mich begeistert alles, was zu mehr Lebensenergie und Leichtigkeit führt. Alte Weisheiten und Mittel zur Selbsthilfe sind mir genauso wichtig, wie Energiearbeit und Stressabbau.

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